KI-Recherchen zu Tages- und Festgeldzinsen sind nur Mittelmaß
Künstliche Intelligenz kann Strickmuster erstellen, Kochrezepte generieren und User bei fast allen Rechercheaufgaben dieser Welt unterstützen. Doch was taugen die Antworten, die unterschiedliche KI-Bots auf Finanzfragen ihrer Nutzer geben? Wir wollten es genau wissen und haben unterschiedliche Anbieter auf die Probe gestellt.


Zugegeben. Ein bisschen Eitelkeit war auch dabei, als wir damit begannen, die gängigsten KI-Tools auf ihren Nutzen im Bereich von aktuellen Zinsvergleichen zu untersuchen. Immerhin erstellen wir bei der FMH seit mehr als 40 Jahren aufwendige und unabhängige Zinsvergleiche für Endverbraucher und Banken. Dennoch wollten wir uns der Wahrheit stellen: Ist ein solcher Aufwand in Zeiten von KI überhaupt noch sinnvoll? Inwieweit kann KI die Recherchearbeit in diesem Bereich vereinfachen – und müssen wir bei der FMH am Ende befürchten, durch die neuen Technologien überflüssig zu werden?
Die Erwartungen an KI- Vergleiche sind enorm
Nicht leugnen lässt sich zunächst, dass die Analyse von Tages- oder Festgeldzinsen– zumindest auf den ersten Blick – ein ideales Anwendungsgebiet für Künstliche Intelligenz darstellt. Typische Fragen an die KI könnten hier lauten: „Wer zahlt derzeit die höchsten Zinsen aufs Festgeld für zwölf Monate?“ oder „Welche Bank hat das beste Tagesgeld für Neukunden?“ Banken oder andere Finanzinstitute könnten KI-Analysen zudem für einen Konkurrenzvergleich nutzen, wenn es schnell gehen soll.
Doch können die Ergebnisse mit denen unserer Datenbank mithalten? Um das herauszufinden haben wir über Monate hinweg die bekanntesten KI-Boots beauftragt, tagesaktuelle Zinsen zu recherchieren und zu vergleichen.
Im ersten Schritt haben wir ab Ende Februar 2026 einmal pro Woche ChatGPT (GPTBot; OpenAI), Gemini (GeminiBot) und Copilot (Copilot-Agent) beauftragt, die TOP-10 für Tagesgeld und Festgeldangebote aufzulisten. Dabei sollte die KI auch die beiden wichtigsten Zusatzbedingen beim Tagesgeld – die Garantiezeit des Aktionszinses und den anschließenden Anschlusszins – benennen. Ab März haben wir diesen Auftrag auch dem später aufgesetzten ClaudeBot (Anthropic) gestellt.
Anschließend verglichen wird die Bestenlisten-Ergebnisse der KI-Assistenten mit jenen, die den FMH-Mitarbeitern auf Basis eigener Recherchen und auf Basis der von den Banken gemeldeten Konditionen ermittelten.
KI-Ergebnisse sind nicht schlecht – aber eben auch nicht gut
Das Fazit unserer Experten nach fast drei Monaten: Wer ausschließlich auf ChatGPT und Co. setzt, um die besten Fest- und Tagesgeldangebote zu finden, erhält allenfalls Näherungswerte und verschenkt damit bares Geld.
Obwohl die verwendeten Prompts sehr spezifisch waren und regelmäßig verbessert wurden, haben die FMH-Profis während der gesamten Testphase kein einziges Mal Zinsinformationen erhalten, deren Datenqualität mit denen klassischer Datenbanken mithalten konnten. KI kann also – zumindest bis auf Weiteres – die akribische Recherchearbeit der FMH nicht ersetzen. Die von der KI gelieferten Ergebnisse genügen zwar, um Verbraucher vor schweren Fehlentscheidungen zu bewahren, wenn es um die Wahl des passenden Fest- oder Tagesgeldkontos geht. Die besten Angebote finden Kunden auf diese Weise aber eher nicht. Und für professionelle Marktanalysen ist KI derzeit sogar noch weniger zu empfehlen.


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