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27.03.2026
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Festgeld-Zinsen in Krisenzeiten

Festgeld-Zinsen in Krisenzeiten

Warum steigen im Moment die Zinsen für kurzfristige Festgeldanlagen?

Nicht nur in der Weltpolitik scheinen die alten Gewissheiten derzeit wenig zu gelten. Auch auf dem Zinsmarkt gibt es aktuell erstaunliche Dynamiken. Wir haben genau hingeschaut, eine Erklärung gefunden – und eine Anlagestrategie für konservative Sparer entwickelt.

Max Herbst: Experte für Baufinanzierung und Zinsentwicklung
Max HerbstExperte für Baufinanzierung und Zinsentwicklung
Erstellt am 27.03.2026, Aktualisiert am 27.03.2026
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Soldat schaut auf Hubschrauber

Eigentlich ist es ja so, dass die Renditen festverzinslicher Geldanlagen mit der Dauer der Festlegung steigen.  Festgeld, mit dem eine Bank zehn Jahre lang planen kann, ist daher rentabler als einjähriges Festgeld. Zumindest war dies früher meist der Fall.  

In der jüngeren Vergangenheit haben sich viele alte Gewissheiten aber verschoben. Und weil wir bei der FMH-Finanzberatung seit mehr als 40 Jahren Zinsvergleiche anstellen, haben wir sogar die Daten, um diese Verschiebungen grafisch darzustellen.

Historische Rückblicke

Die Geschichte wiederholt sich, auch wenn sich die Auslöser unterscheiden. Den ersten bemerkenswerten Anstieg bei einjährigen Festgeldanlagen haben wir im Oktober 2008 gesehen. Die Pleite der amerikanischen Investmentbank Lehmann Brothers markierte den Höhepunkt der globalen Finanzkrise – und beeinflusste damit auch den deutschen Markt.

Das zweite dramatische Ereignis, das (auch) den deutschen Zinsmarkt zu solch ungewöhnlichen Entwicklungen veranlasste, war der russische Angriffskrieg in der Ukraine. Als die Energiekrise im Dezember 2023 spürbar wurde, zeigten unsere Daten erneut einen Anstieg bei den kurzfristigen Festgeldern.

Und auch heute stehen wir wieder an einem Wendepunkt. Der Krieg im Iran und dem mittleren Osten schürt erneut die Sorge vor einer Energiekrise. Die Ölpreise von einem Höchststand zum nächsten - und man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass die Inflation wieder steigen und das Wirtschaftswachstum zurückgehen wird.  

Die Psychologie hinter kurzen Laufzeiten

Doch warum steigen in Krisenzeiten die Zinsen auf kurzfristige Geldanlagen? In unsicheren Zeiten sehnen sich viele Anleger nach Planbarkeit.  Und wollen sich die aktuellen Zinsen möglichst lange sichern. Viele tun dies vielleicht auch in der Erwartung, dass die Krisen bald wieder vorbei sind – und sie dann auch in guten Zeiten von den aktuell recht hohen Renditen profitieren. Weil die Nachfrage nach langlaufenden Festgeldern deshalb aber immens hoch ist, sinken die Renditen in diesem Bereich. Und wir sehen stattdessen steigende Zinsen in den Segmenten, in denen die Banken dringender auf Kundengelder angewiesen sind: den weniger gefragten, kurzfristigeren Festgeldanlagen.

Und wenn die Zinsen auf langfristige Anlagen doch wieder steigen?

Anleger, die auf der Suche nach der richtigen, festverzinslichen Geldanlage sind, stehen derzeit also vor einem Dilemma: Einerseits ist es verständlich, nicht benötigte Ersparnisse langfristig anlegen zu wollen, um Planungssicherheit zu haben.

Was den Ertrag angeht, ist dieses Vorgehen allerdings nicht unbedingt empfehlenswert. Vor allem, wenn man, aus nachvollziehbaren Gründen eine Inflationsrate (weit) oberhalb der Zwei-Prozent-Marke erwartet: Selbst, wenn man drei Prozent Rendite für zehnjähriges Festgeld bekommt, wäre die Realverzinsung bei 2,5 Prozent Inflation nur minimal. Bei noch höheren Teuerungsraten könnten Sparer mit ihrer Festgeldanlage sogar reale Verluste einfahren.

Ebenfalls nachvollziehbar ist der Ansatz, abzuwarten, zu beobachten und auf dem Höhepunkt des Zinswachstums ein Festgeldkonto zu eröffnen, kurz bevor es wieder abwärts geht. Dieses Poker kann sich zwar rentieren – er kann aber auch böse nach hinten losgehen.

Denn wenn viele Sparer so verfahren, werden die Banken die länger laufenden Festgelder bei hoher Nachfrage geringer verzinsen als die kurzfristigen Angebote. Wer dann über Monate hinweg sein Geld auf dem Girokonto oder einem schlecht verzinsten Tagesgeldkonto parkt, könnte sich verkalkuliert haben.

Strategie-Check von fmh.de

Mit unserem Rechner "Anlage-Duell" können sie solche Überlegungen mathematisch überprüfen.

Ein Beispiel:

Ihr aktueller Tagegeldzins beträgt 0,75 Prozent. Wenn Sie stattdessen das beste Festgeldangebot aus der FMH-Datenbank mit fünf Jahren Laufzeit wählen (Stand 25.03.2026) können Sie dafür sofort einen Zins von 3,05 Prozent erhalten. Wer abwartet, ob die Zinsen steigen, muss also darauf spekulieren, dass der Zins fürs fünfjährige Festgeld in nur drei Monaten auf 3,18 Prozent steigt. Bleibt die Rendite unter diesem Wert, war das Warten ein Verlustgeschäft.

Unser Fazit: Ein gutes Festgeld mit drei Jahren Laufzeit ist derzeit eine solide Option. Sparer mit einem längerfristigen Anlagehorizont sollten hingegen sehr genau überlegen, ob festverzinsliche Anlagen wirklich das Richtige sind. In diesem Segment gibt es wesentlich lukrativere Anlageformen – bei überschaubaren Risiken.

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